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Peter und die starken Rösser – Pferdeschlittenfahrt im Kleinwalsertal

Eigentlich wollte ich hier etwas über den Kutscher Peter Hammerer und seine Pferdezucht im Kleinwalsertal schreiben. Warum er sich für diese eher seltene Rasse der Noriker-Pferde entschieden hat und wie er zum „Rosserer“ wurde. Aber als wir dann auf Schlittentour waren, ging es in unseren Gesprächen oft um Skifahren - Peters Leidenschaft. Und mir schwirrten allerhand Kinderfilme durch den Kopf.

Ich melde mich telefonisch bei Peter Hammerer zu einer Pferdeschlittenfahrt an und erfülle mir damit einen lang gehegten Mädchentraum: Winter, Sonne, Pferde, Schlitten. Peter lädt mich kurzerhand ein bereits vor 14 Uhr auf seinen Hof zu kommen, um einen Einblick in seine Pferdezucht zu bekommen. Er meint „Denn konnscht halt a bizzle vor Zwei an Hof, denn ka i dir no d’Roos zeiga, wenn di des so intressiert.“ Eine Ausnahme übrigens, weil ich ja etwas über die Schlittenfahrt im Schnee und seinen Betrieb schreiben wollte, normalerweise hat niemand Zutritt zum Stall.

Drei Nüsse für Aschenbrödel im Kleinwalsertal

Ich komme also eine gute Viertelstunde vorher auf den Hof und finde mich in einer Szene aus „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ wieder: Denn plötzlich steht ein großer Mann mit dicker Fellmütze, Bart, lockigem Haar, dicker Felljacke und schweren Stiefeln vor mir. Ich denke sofort an den netten Kutscher aus dem tollen Märchenfilm der 1970er Jahre. Es ist Peter Hammerer, Hausherr am Hof. Vor den Schlitten sind Lola und Ricardo gespannt: ein Dreamteam, wie ich auf der Fahrt erleben werde. Peter und ich begrüßen uns herzlich und ich lasse mich von den Rössern beschnuppern. Und wie ich so Ricardo angucke, denke ich noch an eine ganz andere Kindersendung, mit einem jungen, unerschrockenen Mädchen, einem kunterbunten Haus, einem Äffchen und einem Pferd.

Die heiligen Hallen eines Kutschers

Gebirgskaltblütern vorgestellt: Da stehen Satan und Hoffeldhof, zwei stolze Deckhengste, Wallach Pezi und im nächsten Raum die Stuten Lolita und Fiona. Pezi stampft empört in seiner Box mit dem Huf auf, er verlangt nach mehr Heu. Peter gibt ihm gerne noch eine kleine Extra-Ration, dann geht es wieder hinaus und wir starten pünktlich um 14 Uhr mit unserer Schlittenfahrt durch das Winterland Kleinwalsertal.

Ski-Talk anstatt Pferde-Talk

Wir fahren im gemütlichen Tempo durch die weiße Landschaft und haben eine perfekte Sicht auf die Berggipfel des Kleinwalsertals. Peter erzählt mir über die Eigenheiten seiner prächtigen Noriker Pferde und seiner anderen Leidenschaft, dem Skifahren.

Peters Familie beherbergt ca. 25 Noriker, aber so genau kann er das jetzt nicht sagen, weil allein gestern hat er einer seiner Stuten beim „Abfohlen“ geholfen. Er ist also nicht nur Pferdeschlitten-Kutscher, sondern auch Geburtshelfer und Hufschmied in einer Person. Die Stallarbeit bewältigt er zusammen mit seiner Frau, der Vater hilft auch noch hin und wieder mit. Seine drei Kinder kommen ebenfalls zum Einsatz, aber er drängt sie nicht, sie sollen „ihr eigenes Ding machen“. Der Frage, ob eines der drei Kids den Hof übernehmen wird, weicht Peter fast ein bisschen aus. Sein Sohn hat schon Interesse, auch Tochter Joelle ist „viehnarrisch“, aber man wird sehen. Peter selbst bestreitet dieses Jahr seine 31. Kutschensaison im Kleinwalsertal, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er seit seinem 16. Lebensjahr auf dem „Bock“ sitzt. Ich frage ihn, ob es etwas gibt, was er gerne noch erleben möchte. Die Antwort kommt schnell: „Heliskiing!“ Genau das ist unser Stichwort: Wie es der Teufel so will, haben wir just in diesem Moment eine perfekte Sicht auf Kanzelwand, Fellhorn und weiter talauswärts auf das majestätische Nebelhorn.

Peter gönnt Lola und Ricardo eine weitere Verschnauf- und uns eine Kaffeepause. Die Pferde bekommen dicke Decken, ich eine heiße Schokolade im Café. Nach dem Einkehrschwung geht es langsam wieder Richtung Hof zurück. Die Walser Landschaft zieht an uns vorüber, wir lassen das malerische „Wäldele“ hinter uns. Mein Blick streift über die Bergwelt. Vor uns, der Blick Richtung Oberstdorf, meiner Heimat. Mir fällt wieder ein, an wen mich Peter samt Ricardo noch erinnert: Pippi Langstrumpf! Der Hengst Ricardo ist weiß mit schwarzen Punkten, was im Fachjargon „Tigerschecke“ bedeutet.

Langsam neigt sich unsere Pferdeschlittenfahrt dem Ende und wir biegen langsam in den Hof ein. Ich bedanke mich bei Peter, knautsche Ricardos und Lolas weiche Pferdeschnauzen. Dann bin ich wieder im Hier und Jetzt, die nächste Gruppe kommt auf den Hof, sie haben Proviant mitgebracht und sind ebenfalls schon voller Vorfreude. Ich wüsste zu gern, welche Filmtitel ihnen durch den Kopf gehen, wenn sie Peter und Ricardo vor Augen haben.

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Wer gerne Peter mit seinen starken Pferden selbst erleben möchte, der kann unter der Telefonnummer 0043 (0)5517 5465 einen Termin für eine Kutschfahrt vereinbaren. Es gibt verschiedene Strecken, eine normale Tour dauert ca. zwei Stunden. Trotz dicker Decken, die einem der Peter über die Knie legt ist es sehr empfehlenswert dicke Skisocken, warme Skiunterwäsche und eine gefütterte Skihose samt dicker Jacke anzuziehen. Mütze, Handschuhe und warme Winterschuhe dürfen auch nicht fehlen. Gut eingemummelt und mit einer Sonnenbrille auf der Nase kann man die Fahrt durch die verschneite Winterlandschaft richtig genießen.

Text: Susa Schreiner
Bilder: Dominik Berchto