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So werden die Pisten wieder glatt

Nacht für Nacht wird in den Skigebieten Oberstdorf-Kleinwalsertal mit vielen Pferdestärken und Hilfe aus dem Weltall gearbeitet.

Endlich Abendessen. Familie Schultz hat mächtig Appetit bekommen. Kein Wunder. Wer den ganzen Tag an der frischen Winterluft verbringt - ob auf der Piste, in der Loipe oder dem Winterwanderweg -, der freut sich auf Käspätzle, Salat und den leckeren Nachtisch.

Ludwig Willmann isst später. Vorher gibt es für den 36-jährigen Oberstdorfer noch viel zu tun. Während Familie Schultz das Vorspeisen-Büfett erobert, sorgt er dafür, dass am nächsten Morgen die Skifahrer wieder Appetit auf frische Pisten bekommen. „Luggi“, wie ihn alle nennen, ist einer jener Männer, die Nacht für Nacht die Abfahrten wieder glätten, Unebenheiten begradigen und den Pisten frischen Schliff verleihen.

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Ein Joystick und viel Erfahrung

Er tut dies freilich nicht allein. Rund 400 Pferdestärken begleiten ihn, wenn er mit seinem PistenBully in der Heuberg Arena unterwegs ist. „Die Pistenraupenfahrer entscheiden vor Ort in Abstimmung mit dem Betriebsleiter und dem Pistenchef, was sie tun“, erläutert Leo Schuster, der technische Leiter der Bergbahnen an Ifen, Heuberg und Walmendingerhorn.

Jedes der tonnenschweren und rund 350.000 Euro teuren Fahrzeuge bewegt sich behutsam durch die Nacht. „Schieben und glätten“ - auf diese Formel bringt Leo Schuster die Aufgabe der Männer, die mit einem Lenkrad und Joystick ihre Raupen steuern. Auch Luggi schiebt gerade einen massiven Schneeberg nach oben. Jetzt gilt es, das weiße Gold an den richtigen Stellen zu verteilen. „Das erfordert viel Erfahrung“, berichtet er.

Rettung naht

Aber es gibt auch Hilfe aus dem Weltraum. Denn so eine Pistenraupe ist nicht nur ein PS-starkes Kraftpaket, sondern bekommt mittels GPS-Technik wertvolle Hinweise von ganz oben. Ein sogenanntes Schneehöhen-Messsystem signalisiert dem Fahrer, wie hoch die Schneedecke unter den Raupen gerade ist und wie hoch sie sein sollte. Die Pisten wurden dazu vorher genau vermessen und dank der Satelliten-gestützten Technik erfolgt ein ständiger Datenaustausch.

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Erfolgreich eingesetzt wird diese Technik bereits im Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand und gewährleistet dort einen optimalen Schneebetrieb. Für die Zukunft planen die Bergbahnen einen Ausbau der Satelliten-Unterstützung am Ifen, Heuberg und das Walmendingerhorn. Pistenbully-Fahrer Luggi verlässt sich bis dahin noch auf seine jahrelange Erfahrung und Geländekenntnisse.

Familie Schultz genehmigt sich noch einen Drink an der Bar. Luggi nimmt einen Schluck Tee aus der Thermoskanne. Dann muss er das warme Führerhaus verlassen. Nun gilt es, die Seilwinde einzusetzen. Wenn es selbst der geländegängigen Schneeraupe zu steil wird, klinkt sie ihr Pilot mit einem bis zu 1.000 Meter langen Stahlseil an einem im Gelände fixierten Sicherungshaken ein. „Das ist der gefährlichste Teil der Arbeit“, erklärt Leo Schuster.

Gefahr bestehe freilich nicht für den Pistenraupenfahrer, sondern für jene, die eigentlich zu dieser Zeit nichts mehr auf den Pisten zu suchen haben. Doch immer wieder komme es vor, dass Skitourengeher, Skifahrer oder Fußgänger die Wege der Pisten-Kosmetiker kreuzten. „So ein Stahlseil sieht man nicht und kann unter Umständen tödlich sein“, sagt Schuster und verweist darauf, dass man stets eindringlich davor warne, am späten Abend auf den geschlossenen Skipisten unterwegs zu sein.

Maßarbeit

Diese Gefahr besteht bei Familie Schultz freilich nicht. Längst schlummert sie dem nächsten Wintertag entgegen. Da macht sich auch Luggi auf den Weg ins Tal. Die Pisten sind bestens präpariert. Genau hat er darauf geachtet, dass überall die notwendigen Schneehöhen erreicht sind. „Sonst taut es von unten“, erklärt Leo Schuster. Firn und Sonne nagten gerade im Frühjahr am Schneekleid der Pisten, das es jede Nacht aufs Neue zu pflegen gilt. Jeder Berg habe da so seine eigenen Gesetze. „Wenn die Kälte anzieht, muss man den Glattstrich fertig haben.“ Deshalb beginnt man beispielsweise am Walmendingerhorn grundsätzlich oben mit der Pistenpflege. „Denn oben ist es meistens kälter als im Tal.“ Und während Luggi Willmann seinen Bully zentimetergenau in der großen Garage parkt, träumt Familie Schultz bereits von den nächsten Schwüngen auf den perfekt präparierten Pisten an Fellhorn und Kanzelwand, auf dem Nebelhorn, am Ifen, am Walmendingerhorn, in der Heuberg-Arena oder am Söllereck.

Bilder: Das-Höchste Bergbahnen Obertdorf/Kleinwalsertal.

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