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Was macht ein Skilehrer im Sommer?

Zwischen Oktober und April prescht David Berktold über die Skipisten im Zwei-Länder-Skigebiet. Der gebürtige Oberstdorfer ist Skilehrer, Inhaber der Skitechnikschule Oberstdorf und leidenschaftlicher Wintersportler. Doch wenn der Schnee im Kleinwalsertal langsam schmilzt und die Tage wärmer werden, beginnt Davids zweite Saison – als Älpler.

David Berktold und seine Familie, Frau Martina, Sohn Johannes (10) und die kleine Magdalena (7) bewirtschaften im Sommer die urige Fluchtalpe im Kleinwalsertal. Und das aus Überzeugung. Neben der Arbeit auf der Alpe betreibt die Familie seit Generationen ganz traditionell einen Bauernhof in ihrer Heimatstadt Oberstdorf und ist seit fast 300 Jahren in der Landwirtschaft tätig. Tradition, die Liebe zur Heimat und die Verpflichtung, das Erbe der Vorfahren zu erhalten sind die Motivation für David und Martina, auch nach mehr als 10 Jahren auf der Fluchtalpe noch nicht ans Aufhören zu denken. Da der beliebte Rastplatz für Wanderer nur in den Sommermonaten öffnet, hat sich David als Skilehrer ein zweites Standbein aufgebaut.

Der Winter gehört der Piste

In den kalten Monaten ist David als Skilehrer tätig und hat sich vor 4 Jahren mit seiner eigenen Skischule einen Traum erfüllt: Zusammen mit Andrea Geiger ist er Inhaber der Skitechnikschule Oberstdorf, der ersten Privatschule für Wintersport-Anfänger und -Profis. Mittlerweile bringen elf Skilehrer in seinem Namen den Schülern im Zwei-Länder-Skigebiet das "Brettln" bei. Ein tolles Gefühl, wie David mit einem Lächeln bestätigt: "Vor einigen Jahren waren wir nur zu zweit. Jetzt sind wir elf Skilehrer und haben jede Saison alle Hände voll zu tun. Da ist man schon stolz."

Zwischen Oktober und April, wenn die Wintersport-Saison in vollem Gange ist, lebt die Familie daheim in Oberstdorf. Frau Martina arbeitet als Kosmetikerin und David kümmert sich neben seiner Arbeit als Skilehrer gemeinsam mit seinem Vater um den eigenen Hof. Diesen hat David 2016 von seinen Eltern übernommen. Durch die viele Arbeit auf der Piste leidet das Familienleben, da David in dieser Zeit oft nur abends zu Hause ist.

Die Saisons beginnen, wenn der Berg ruft

David und seine Familie haben ihr Leben nach der Saison eingeteilt. Wenn sich der Winter dem Ende neigt, wird es gegen Mitte Mai Zeit, sich auf den Weg zur Wanderhütte zu machen. "So ein Leben ist nicht immer leicht. Im Sommer hast du keinen Tag frei, dafür muss man schon gemacht sein." erzählt David. Dennoch bereuen die Berktolds ihre Entscheidung für ein "Leben nach der Saison" nicht. Ganz im Gegenteil: "Das Leben als Familie in den Sommermonaten ist für uns das Schönste. Du hast zwar viel Arbeit, aber Tag ein Tag aus sind wir zusammen und unsere Kinder lernen die Natur so ursprünglich kennen wie sie ist."

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Die hauseigenen Produkte der Milchkühe vom heimischen Bauernhof werden im Sommer natürlich auch auf der Fluchtalpe verkauft und sind - wer hätte es anders erwartet - die unangefochtenen Bestseller.

Die Arbeit auf der Alp

Doch was macht so ein Oberstdorfer überhaupt den ganzen Sommer über auf der Alpe? David und seine Frau kümmern sich um die Vordere und Hintere Wildenalpe, insgesamt sind das ca. 80 Hektar bergiges Land im Naturpark Wildental. Bevor Ende Mai die Bewirtung der Fluchtalpe beginnt, steigt David das erste Mal Anfang des Monats noch ohne Begleitung nach oben. "Zuerst muss ich schauen, was die Witterung oder auch Lawinen in den vergangenen Monaten alles zerstört haben. Sobald an der Fluchtalpe alles repariert ist, heißt es Zäune aufstellen, Gatter befestigen und das Vieh kann anschließend so gegen Anfang Juni hoch auf den Berg.", schildert David den zeitlichen Ablauf.

Diesen Aufwand betreibt er aber nicht nur für sich und seine Kühe alleine. Insgesamt beherbergen die Berktolds jährlich ca. 50 Tiere von fünf bis sechs Bauern aus den umliegenden Dörfern. Diese wandern während der warmen Monate mit David auf eine Höhe von bis zu 2.000 Metern.

Aber warum werden die Kühe auf den Berg getrieben? Ein geälptes Vieh ist ein gesundes Vieh, so eine alte Bauernweisheit. Der Almauftrieb hat also medizinische Gründe: Die Tiere kommen nach dem Sommer robuster vom Berg. Herz und Kreislauf sind in Schwung, Muskulatur und Knochenbau sind durch den langen Aufenthalt an der frischen Luft gestärkt. Davids eigene Milchkühe haben übrigens auch alle einen Namen. Diese sind nicht zufällig gewählt, sondern folgen meist einer langen Familiendynastie: "Der Vorname beginnt immer mit dem ersten Buchstaben des Vornamens der Mutter und das über Generationen."

Ein typischer Tag im Leben eines Älplers

Wie so oft hängt auch der typische Tag vom Wetter ab. "Man lebt halt von und mit der Natur", bekräftigt David noch einmal. "Da kann man sich oft nicht aussuchen, wie man den Tag beginnt. Wenn um 6 Uhr der Wecker klingelt, heißt es in den Stall gehen, Kühe melken und danach hoch zum Jungvieh." Davids Vormittag gehört der Landwirtschaft. "Es kommt vor, dass die Zäune über Nacht vom Wild beschädigt werden, das muss ich schnellstmöglich reparieren."

Fluchtalpe @Clemens Paul (4)

Während David nach den Kühen sieht und die Zäune überprüft, kümmert sich seine Frau Martina schon morgens um feine Kuchen und deftige Brotzeiten für die hungrigen Wandergäste. Ab Mittag hilft dann auch David seiner Frau in der Küche und bei der Bewirtung der Gäste.

Wenn am späten Nachmittag die letzten Gäste die Fluchtalpe verlassen, wirft David einen zweiten Blick auf die Zäune und kontrolliert, ob diese von den Wanderern auch richtig geschlossen wurden. "Wenn die Nacht anbricht, dürfen die Tore nicht offen sein, das ist zu riskant. Ich treibe das Vieh nachts wieder weiter nach unten. Die Kühe dürfen in der Dunkelheit nicht so weit oben stehen. Im Laufe der Nacht ist die Gefahr groß, dass ein Vieh abstürzt.", erklärt David. Den Tieren, die unter Davids Obhut stehen, ist das noch nie passiert. "Aber man soll sein Glück ja nicht herausfordern.", fügt er mit einem Lachen hinzu.

„Das Vieh hat immer Vorrang.“

Es gibt Tage, an denen nicht alles so reibungslos verläuft. Schwenkt das Wetter überraschend um, so bleibt der Älpler bei seinen Tieren. "Das Vieh geht immer vor. Egal ob es regnet, schneit oder stürmt. Ich muss dann oben bleiben und sicherstellen, dass unserem Vieh nichts zustößt." Denn geschieht den Kühen etwas Unvorhergesehenes, so ist das finanzieller Schaden für den Besitzer.

Das Leben auf der Alp

Das alltägliche Leben auf 1.390 Metern Höhe ist geprägt von Ursprünglichkeit. Bis 2014 gab es auf der Fluchtalpe weder Strom noch Dusche. Vor 3 Jahren wurde dann umgebaut: Solarstrom, eine Dusche und eine "normale" Toilette sind jetzt Teil der Ausstattung. Alltägliche Dinge wie Fernseher sind dort oben aber fehl am Platz, es ist ein ruhiges Leben. David schildert: Es ist schön das wir als Familie da oben arbeiten und leben. Man braucht oben nicht viel zum Leben, es ist eigentlich alles da!

Wenn die Sonne gegen 21:00 Uhr langsam untergeht, genießen Martina und David den Abend. "Da sitzt du draußen und beobachtest den Berg. Das ist das Leben. Und wir sind mitten drin, jeden Sommer. Das ist einfach großartig."

Bilder: Kleinwalsertal Tourismus eGen.

Infos zur Fluchtalpe

Die Alpe wird urkundlich erstmals im Jahr 1601 erwähnt. Damals gehörte die Alpe noch zur Hinteren Wildenalpe. Die Fluchtalpe wird im Volksmund nur "Flucht" genannt, womit die so genannte "Schneeflucht" gemeint ist. Für den vorderen und hinteren Wilden ist die Flucht der natürliche Ort um bei Schneeeinbruch mit dem Vieh dorthin zu ziehen.

Sie ist Ausgangspunkt für verschiedene Touren: Beispielsweise erreicht man in 2 Stunden die Fiedererpaßhütte, in 3 Stunden die Mindelheimer Hütte oder den Mindelheimer Klettersteig.