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Gipfelgenüsse vegan, vegetarisch und mit Fleisch

Als Matthias Geiger im Jahr 2015 im Edmund Probst Haus auf dem Nebelhorn die Regie übernahm, überdachte er das Konzept der Alpenvereinshütte radikal. Regionalität, Frische und köstliche Alternativen zu Fleischgerichten bestimmen seine Speisekarte, die trotz aller Revolution der Tradition verpflichtet bleibt.

Von Oberstdorf gondle ich gemütlich hinauf aufs Nebelhorn, den Hausberg der Region und Skiberg im Zwei-Länder-Skigebiet Oberstdorf Kleinwalsertal. Auf 1.932 Metern angekommen, weht mir ein kühles Lüftchen um die Ohren. Wie gut, dass es bis zur Berghütte, die seit 1890 ihren Platz oben auf dem Berg behauptet, nur ein paar Meter sind. Drinnen, im Warmen, treffe ich Matthias irgendwo zwischen Frühstücksbuffet und Mittagsgeschäft.

Urige Berghütte mit modernem Konzept

„Hier ist immer etwas los“, erzählt der bergbegeisterte Kletterer und Wintersportler, „die Gäste kommen rund ums Jahr zu uns, darunter auch viele Einheimische.“ Allein, zu zweit und in Gruppen zieht es sie herauf, die Vereine, Schulklassen, Skitourengeher, Wanderer und Spaziergänger – kurzum alle Alpenfreunde aus nah und fern, die sich im Ernst Probst Haus stärken und die Aussicht genießen wollen. Die Hütte liegt direkt an der Skipiste, das sorgt im Winter an schönen Tagen für einen anhaltenden Zustrom von Gästen.

Das kulinarische Angebot an der Bergstation der Nebelhornbahn kann sich wirklich sehen lassen. Da stemmt das kleine Team rund um Matthias täglich das Frühstücksbuffet, ab 10:30 Uhr die ganze Speisekarte, nachmittags ab 15:00 Uhr eine kleine Karte samt Kuchenangebot und ab 18:00 Uhr geht es wieder in die Vollen. Zudem werden acht Vierbettzimmer und mehrere Lager mit sechs bis 18 Schlafplätzen zum Übernachten angeboten. Jede Menge Arbeit also.

NEU: veganes Essen auf der Berghütte

Nachdem ich aus dem Staunen einigermaßen herausgekommen bin, stelle ich Matthias die Frage, derentwegen ich auf den Berg gefahren bin. Ich will wissen, wieso der junge Hüttenwirt auf die doch recht ungewöhnliche Idee gekommen ist, hier oben vegane Gerichte anzubieten. Ich erwarte einen Vortrag über Tierschutz, Philosophie und so weiter, aber Matthias Antwort fällt ganz bodenständig aus.

„Ganz ehrlich“, grinst er breit, „eigentlich war es ein Zufall. Wir haben ein veganes Linsengericht gekocht, das kam dermaßen gut an, dass wir uns intensiver mit dem Thema beschäftigt haben.“

Dank der permanenten und steigenden Nachfrage gibt es auf der Speisekarte täglich ein veganes Essen, außerdem halten sich vegetarische und Fleischspeisen die Waage.

Regional denken – nachhaltig handeln

„Wäre ich Wirt im Tal, könnte ich mir gut vorstellen, ein vegan-vegetarisches Restaurant zu führen“, erzählt Matthias mehr über seine Motivation, „aber am Berg erwarten die Gäste schon auch einen Schweinsbraten und typische Hüttenspezialitäten. Ich lege aber allergrößten Wert darauf, dass wir das Fleisch und alle anderen Lebensmittel möglichst unmittelbar aus der Region beziehen, denn Tier- und Naturschutz sind mir sehr wichtig!"

Deshalb kauft er ab und zu ein halbes Schwein von einem Bauern in der Nähe und Absonderlichkeiten wie Chicken Nuggets gibt’s bei ihm ganz bestimmt nicht. Jeden Tag Fleisch, das ist ohnehin nicht seine Sache, denn „das ist nicht gesund und es ist auch nicht nachhaltig.“ Fünfzig Prozent aller angebotenen Spezialitäten auf der Karte sind fleischlos, denn das, erklärt er, entspricht auch eher der traditionellen Ernährungsweise in den Bergen. Fleisch gab es früher nur an Fest- und Feiertagen, deshalb kennt die Allgäuer Küche viele genussvolle fleischlose Alternativen.

Vegan kochen – Gedanken zum Mitnehmen

Schon ist meine Stippvisite wieder vorbei, Matthias verschwindet in der Küche und ich fahre mit der Bergbahn nachdenklich Richtung Tal. Weniger Fleisch essen, ja, das halte ich auch für sinnvoll. Mehr auf die Auswahl regionaler Produkte zu achten auch. Matthias hat mir zum Abschied erzählt, dass immer mehr Berghütten vegetarische, aber auch vegane Mahlzeiten anbieten. Gut für den Menschen, gut für die Tiere, vielleicht auch gut für’s Klima. Wer mag, kann dem Edmund Probst Haus selbst einen Besuch abstatten und (erstmals) ein veganes Gericht probieren – Mahlzeit!

Ernst Probst Haus
DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt
Nebelhorn 1
87561 Oberstdorf
Tel.: +49 8322 4795
https://www.edmund-probst-haus.de

Ganzjährig bewirtschaftet
Parkmöglichkeit an der Nebelhornbahn Talstation,
Auffahrt mit den Nebelhornbahnen 1 und 2,
erreichbar auch mit der Sonngehren-Sesselbahn